ARD Buffet am 15.06 zum Thema Biologischer Pflanzenschutz

Biologischer Pflanzenschutz

In relativ ungestörten Lebensräumen herrscht ein natürliches Gleichgewicht zwischen

allen Lebewesen. Sollte ein Insekt sich explosionsartig vermehren, finden alle natürlichen

Feinde einen reich gedeckten Tisch vor. Die Vögel können mehr Junge groß ziehen als in

gewöhnlichen Jahren (auch Marienkäfer, Schlupfwespen und Florfliegen). Im darauf

folgenden Jahr gibt es mehr Nützlinge und weniger Schädlinge mit der Folge, dass sich

die Nützlinge nicht so üppig vermehren. Im dritten Jahr ist wieder ein Gleichgewicht

hergestellt zwischen Nützlingen und Schädlingen. Das Schaukelspiel beginnt aufs Neue.

Nützlinge

Nützliche Säugetiere, Vögel, Reptilien

- Igel fressen Schnecken, Engerlinge, Würmer und Raupen. In einer Ecke des

Gartens Äste, Laub und Steine unter ein paar Sträuchern liegen lassen →

Wohnung für den Igel.

- Maulwürfe fressen auch sehr viele Schädlinge. Falls sie stören sollten, kann

man sie mit Thujazweigen oder Nussbaumblätter, die in die Gänge gelegt

werden, vertreiben.

- Vögel sind geschickte Schädlingsjäger, fressen aber auch Beerensträucher

und Kirschbäume leer. In diesen Fällen kann man sich mit

Vogelschutznetzen u. blinkenden Gegenständen schützen. Für Höhlenbrüter

(Meisen, Rotkehlchen und Rotschwänzchen) kann man Nistkästen in

südöstlicher Richtung aufhängen (jedes Jahr säubern, Vorsicht mit Katzen).

- Blindschleichen, Eidechsen und Erdkröten sind ebenfalls natürliche

Helfer. Für solche vom Aussterben bedrohte Tiere sollte auch Platz im

Hausgarten sein.

Nützliche Insekten

- Florfliegen (-larven) können 200 - 500 Blattläuse vertilgen! Im Fachhandel

sind Florfliegenlarven erhältlich.

- Marienkäfer fressen große Mengen Blattläuse. Australische Marienkäfer

werden gegen Woll- und Schmierläuse eingesetzt.

- Schlupfwespen (Encarsa formosa) bohren mit einem Legestachel ihre Eier

in lebende Blattläuse, weiße Fliegen und Kohlweißlingsraupen. Biogärtner

sollten im Herbst auf die Blattlausmumien achten, in denen überwinternde

Schlupfwespenlarven vorhanden sind.

- Laufkäfer und Ohrwürmer sind auch Helfer des Gärtners. Letztere sind

besonders in Kernobstanlagen sehr nützlich gegen Blattläuse. Durch die

letzten warmen Jahre ist aber eine deutliche Zunahme dieser Insekten zu

beobachten, wodurch es besonders an Steinobst zu erheblichen Schäden

kommt, da der Ohrwurm seinen Flüssigkeitsbedarf durch „anknabbern“

diesen Früchten deckt. In Kernobstanlagen "Ohrwurm-Bungalow"-Tontopf

mit Holzwolle umgekehrt aufhängen, Steinobstbäume durch Leimringe

schützen!

"Denken Sie auch bei allen naturgemäßen Methoden der Schädlingsbekämpfung immer

daran, dass Sie nicht einen erbitterten Kreuzzug führen. Es geht nur darum, Grenzen zu

ziehen und Schranken zu errichten. Ein paar Prozent seiner Ernte sollte jeder Bio-Gärtner

den Mitbewohnern seines Gartens gönnen“ (Marie-Luise Kreuter, Biologischer

Pflanzenschutz)

 Vorbeugende Maßnahmen / Am Besten: „Bio-logisch“

- Motto: Gesunde Pflanzen auf gesundem Boden

Pflanzen, die in gepflegtem, nährstoffreichem Humus groß werden, gedeihen

kräftig und gesund → Kompost.

- Bodenpflege → Abdeckung mit Mulchmaterial, damit die Erde nicht "nackt"

und schutzlos Regen, Wind und Sonne ausgeliefert ist.

- Durch das Mulchen mit Grasschnitt, Laub, klein geschnittenes Unkraut oder

grobem Kompost → zusätzlich Gründüngung.

- organischer Dünger (z. B. Maltaflor, Hornspäne, Tiermist,

Brennnesseljauche.

- Resistente, standortgeeignete Sorten wählen! (Ansprüche an Klima und

Boden beachten), Auf Fruchtfolge (-wechsel) achten!

- Anbautechnik optimieren (z.B. Tomatenüberdachung,

Tröpfchenbewässerung)

- Natürliche Abwehr- bzw. Lockwirkungen ausnutzen:

Einsatz biologischer Pflanzenschutzmittel

Hausgemachter Pflanzenschutz

Jauchen, Brühen, Tees und Kaltwasserauszüge:

Grundrezept: Auf 10 l Wasser benötigt man 1 kg frische Pflanzen o. 150 g

getrocknete Kräuter.

- Pflanzenjauchen: Die Kräuter werden mit Wasser bedeckt, einmal täglich

umgerührt. Es findet eine Vergärung (Geruch!) statt. Nach 2 - 3 Wochen ist

die Pflanzenjauche fertig. Sie ist dunkel und schäumt nun nicht mehr. →

flüssiger Dünger, der zur Stärkung der Pflanzen „von innen“ dient.

- Brühe: Pflanzenmenge wird in Wasser 24 Stunden eingelegt, danach

aufgekocht und 30 Minuten bei geringer Hitze ziehen lassen.

- Tee: mit kochendem Wasser überbrühen und 10 -15 Minuten ziehen lassen

- Kaltwasser-Auszug: frische Pflanzen 12 – 24 Stunden in Kaltwasser legen,

die Brühe kann unverdünnt gegen Läuse gespritzt werden.

Biologischer Pflanzenschutz beschränkt sich nicht auf den einmaligen Einsatz eines

„biologischen“ Mittels. Er ist vielmehr Teil eines ganzheitlichen Ansatzes. Durch die sehr

unterschiedlichen Gegebenheiten in den einzelnen Gärten (Boden, Kleinklima) aber auch

das unterschiedliche Klima in verschiedenen Jahren sowie die oft in Intervallen stärker

auftretenden Schädling (z.B. Frostspanner) kann es zu sehr unterschiedlichen

Erfahrungen kommen. Ein Ausprobieren lohnt auf jeden Fall!

Impressionen