Hmmm lecker, alte Apfelsorten

Ja warum eigentlich alte Apfelsorten, mit Flecken und oft gar nicht perfekt von unzugänglichen Bäumen, die mitten auf der feuchten Wiese stehen.

Die Antwort ist einfach. Alte Apfelsorten sind gegenüber den Äpfeln, die im Supermarkt gekauft werden, eine Geschmacksexplosion, die uns sofort an unsere Kindheit erinnert, wo uns kein Baum zu hoch war, um an die leckeren Früchte zu kommen. Herbst mit feuchten Blättern, Duft von allen Früchten der Natur, Apfelmus und Gelee von Mutter auf das Brot. Auf jeden Fall gab es Äpfel genug für jeden Geschmack und jede Gelegenheit für Most oder Wein, zum Dörren, Backen und Kochen. Tafelobst und Wirtschaftsäpfel, Frühsorten für den ersten Genuss und späte Lagersorten für den Winter.

Der schrumplige Apfel aus dem Keller, der so sehr schon nach Vergänglichkeit schmeckte ohne faul zu sein, süß und satt.

Heute legen Vermarkter  beim Apfel Wert auf gutes Aussehen, hoher Ertrag und perfekte Logistik; dieses hat heute Vorrang vor Aroma und Geschmack. Dadurch ist das Apfelangebot auf  wenig austauschbare Standardsorten geschrumpft. Schauen wir auf unser kulturelles Erbe zurück, so sehen wir, dass sich im 17., 18. und 19. Jahrhundert der Obstbau rapide entwickelte, da er hier bereits eine große Rolle für die Versorgung der Bevölkerung spielte. Durch die wirtschaftliche Nutzung und die fortschreitende wissenschaftliche Entwicklung entstanden zum 20. Jahrhundert über 6.000 Obstsorten. Darunter mindestens 2.700 Apfel-, 800 Birnen-, 400 Süßkirschensorten und 400 Pflaumenartige, die den Obstanbau selbst in Höhenlagen der Mittelgebirge ermöglichte. Spezielle Sorten für die Nutzung als Tafelobst, Saft, Most und Brand bis hin zum Backobst wurden regional verfeinert. Das heißt die alten Apfelsorten sind Teil unseres kulturellen Erbes. Unsere bäuerlichen Vorfahren haben über Jahrhunderte Obstsorten herangezogen, die dem Klima und Boden unserer Heimat besonders gut angepasst waren und dadurch nicht auf übermäßigen Pflanzenschutz und Dünger angewiesen waren.

 

Alte Apfelsorten, die in der freien Landschaft am Baum voll ausreifen können und nicht nach EU-Normen produziert werden, haben die Möglichkeit all das von der Natur zu bekommen, was sie für den Menschen so wertvoll macht. Viele Biovitalstoffe, neben den Vitaminen und Mineralien, die sogenannten sekundären Pflanzenstoffe, die heute als gesundheitsfördernd anerkannt sind, werden erst durch die volle Ausreifung des Apfels gebildet.  Zu diesen Stoffen zählen Carotinoide, Phytosterine, Saponine, Glucosinolate, Polyphenole, Protease-Inhibitoren, Monoterpene, Phytoöstrogene und Sulfide, denen in erster Linie antioxidative und krebsschützende Eigenschaften, aber auch antithrombotische, Blutdruck-beeinflussende, Cholesterin-senkende und Blutzucker-beeinflussende Wirkungen zugesprochen werden. Um all  diese Inhaltsstoffe zu erhalten, dürfen  wir Äpfel nicht nur für ihre Vermarktbarkeit produzieren, sondern müssen das  reiche genetische Potenzial erhalten, um es evtl. später einmal züchterisch einsetzen zu können. Hier kommen die Pomologen zum Zuge, die sich  der Lehre von den Obstarten und Obstsorten deren Bestimmung, Beschreibung, Empfehlung und Erhaltung von alten Obstsorten widmen. Der wunderschöne Name Pomologie stammt übrigens von  Pomona, die römische Göttin des Obst- und Gartenbaus.

Viele wichtige Inhaltstoffe alter Sorten können heute schon für medizinische Zwecke genutzt werden. Warum also im Urwald nach medizinisch wichtigen Inhaltsstoffen forschen, wo das Gute doch gerade bei uns auf der Wiese steht.

Der schöne alte Apfelbaum

 

Sortenempfehlung für Rheinlandpfalz

Bachapfel, Brettacher, Graue Renette, Graue Herbstrenette, Heimeldinger, Puhlapfel, Roter Bellefleur, Rheinische Schafnase, Kohlnase, Waldapfel, Rheinische Bohnapfel,Rote Sternrenette, Goldparmäne, Gewürzluiken

 

 

Sortenempfehlung für Baden- Würtenberg

 

Berner Rosenapfel, Bittenfelder, Börtlinger Weinapfel, Engerlsberger, Gewürzluiken, Goldparmäne, Gravensteiner, Hauxapfel, Jakob Fischer, Kaiser Wilhelm, Öhringer Blutstreifling, Winterrambur, Zabergäu Renette

( Eckart Brandt)

 

Impressionen