Kleingärten Oasen in der Stadt

 

Der Kleingarten ist in unseren Städten und in unserer Gesellschaft ein Ort, der von unglaublicher Lebensqualität zeugt. Die Bepflanzung, Kräuter, Sträucher Bäume sind, ganz nach dem Prinzip der Permakultur,  die besten Feinstaubfilter. Der Begriff Permakultur wurde 1978 von dem australischen Ökologen Bill Mollison und seinem Studenten David Holmgren entwickelt. Er entstand aus der Verknüpfung der englischen Begriffe permanent agriculture (dt. 'dauerhafte Landwirtschaft'). Permakultur ist inzwischen als Oberbegriff für die Entwicklung und Anwendung von ethisch basierten Leitsätzen und Prinzipien zur Planung, Gestaltung und Erhaltung zukunftsfähiger Lebensräume etabliert. Zentrale Elemente stellen hierbei dar: Multifunktionalität von Elementen, Bedeutung mehrjähriger Pflanzen, Zonierung eines Systems nach Nutzungsintensität, Vielfalt der Elemente, Wiederverwendung von Energien und Stoffen, Nutzung der natürlichen Ressourcen,), möglichst hohe Integration standörtlicher Parameter etc. Kleingartenanlagen beinhalten all das was als Richtschnur für Permakultur gilt.  Doch das ist nur ein winziger Aspekt warum Kleingartenanlagen eine solch wichtige Funktion in unserer Zeit haben

Die Welt gerät aus den Fugen:

•           Das Klima – die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre hat einen historischen Höchststand erreicht

•           Die Artenvielfalt – die Biodiversität erodiert trotz Jahr der Biodiversität 2010

•           Die Kreisläufe – separiert statt integriert, global statt regional, billig statt effizient

•           Die Gesellschaft – Urbanisierung: größere Städte mit immer mehr und immer älteren Menschen, aber weniger Begegnung

•           Die Ernährung – Fehlernährung in Wohlstandsstaaten, (fehlende Ernährungs-souveränität: Einfluss- und Kompetenzmangel in Produktion und Konsum von Lebensmitteln) und Mangelernährung in Armutsstaaten (Hunger trotz Subsistenzwirtschaft)

Diese Liste ließe sich noch beliebig weiter fortsetzen. Ursache für all diese Entwicklungen ist die in den letzten Jahrhunderten fortgeschrittene Abkopplung des Menschen von seinen Wurzeln – ökologisch, sozial und ökonomisch. Der wissenschaftlich-technische Fortschritt hat neben seinen Errungenschaften auch diese negativen Entwicklungen mit sich gebracht.

Wenn wir aus diesem Teufelskreis ausbrechen wollen, müssen wir lernen, unser Leben MIT der Natur und nicht GEGEN sie zu gestalten. Damit lässt sich am besten dort beginnen, wo wir leben und arbeiten, wo unsere WESENTLICHEN Bedürfnisse liegen: In unseren Städten, in unserem Zusammenleben, bei unserer Ernährung. Global denken, lokal handeln!

„Kein Weg führt heute mehr an der Einsicht vorbei, dass es die Wiederentdeckung der Sinnlichkeit, des Körpers und des Menschen als Naturwesen zu verzeichnen gilt. Das spätmoderne Subjekt zieht zu Felde gegen seine Naturentfremdung in artifiziellen Schleifen eines zunehmend virtuellen Lebens. … Wir müssen gar nicht raus aus der Stadt, um zurück zur Natur zu finden. Der Mensch ist einfallsreich genug, um sich die Natur in die Stadt zu holen. Die Trendforscher nennen es ‚urbanen Eskapismus‘, die Betreiber von Stadtgärten selbst wählen den Begriff urban farming: Inmitten von Beton und graffitibemalten Wänden, von Häusern, Straßen, Wegen und postindustriellen Brachflächen entstehen Biotope, Gärten und dschungelartige Arrangements.“

(http://www.zeit.de/zeit-wissen/2010/05/Lust-auf-Natur)

Doch diese Gärten sind keine moderne Erfindung, sie gibt es schon seit  dem 28. April 1814 hier wurde der erste Pachtvertrag für Parzellen einer Kleingartenanlage auf einer Pastoratskoppel in der Kleinstadt im heutigen Kreis Schleswig-Flensburg unterzeichnet.

Die grünen Oasen in unseren Städten bieten den Raum welchen wir zu lokalen Problemlösung brauchen. Der Kleingarten ist der Ort welcher uns von unseren Vorfahren geschenkt wurde um Ganzheitlich zu leben und zu lernen. Er kann zum Ort des wachsen und verstehen werden. Und der Ort an dem wieder Empathie gelernt wird, hier können alle Bevölkerungsschichten Erfahrungen sammeln, die einen wesentlichen Beitrag zu der erfreulichen Entwicklung zu einem reifen, verantwortungsbewussten, erfüllten und glücklichen Menschen führen. Empathie, so wichtig in einer menschenwürdigen, freudvollen Gesellschaft, lernen Klein und Groß aller Nationalitäten besonders durch Kontakte mit den Kreisläufen der Natur, mit Tieren und Pflanzen. Generationen übergreifende Projekte helfen Mensch und Natur.

Mit diesem Permakulturellen Ansatz in den Kleingärten, werden mehrere existenzielle Probleme – soziale Vereinsamung, Zunahme psychosomatischer und psychischer Krankheiten, Ernährungskrise, Entfremdung, Beziehungsverluste, Abnahme der Biodiversität, sozialer Werteverlust, Klimawandel – auf einen Lösungsweg gebracht

Ein kleines Paradies, immer gut zu erreichen und von unbezahlbaren Wert

Heike Boomgaarden

 

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