Natur-Defizit-Syndrom

Veilchenblau beginnt der Frühling, wenn des Märzveilchens kleines niedliches  Gesicht sich überall im Garten zeigt. Noch ist es manchen Morgen ummantelt mit einem kristallenen Reif, eiskalt geschmückt, denn die Sonne möchte ist noch nicht jeden Tag hinter ihrem warmen Ofen hervorgekommen. Doch haben sich die Veilchen einmal hervorgewagt, beginnen sie ihr florales Frühlingsgemälde zu malen -das blaue Band des Frühlings- in Wort und Form geschaffen. So schrieb Eduard Mörike

 Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen.
- Horch von fern ein leiser Harfenton !
Frühling, ja du bist’s
Dich hab ich vernommen !

Schön ist es, das Gedicht, es spricht uns an durch eine tiefe emotionale Verbundenheit mit der Natur. Im Frühling beginnt alles zu wachsen, sich seinen Platz im Leben zu erobern, Strategien gegen schädliche Einflüsse zu entwickeln und seine Aufgabe in der Natur zu erfüllen. Der Mensch erfreut sich an dem wiedererwachenden Leben, besonders nach diesem strengen Winter.

Wirklich ein schöner - doch leider ein zu romantischer Gedanke. Ich habe hierbei eine ganze Generation übergangen. Die Generation welche man heute fast mit einem neunen Krankheitsbild verbindet, eine Generation mit dem Natur-Defizit-Syndrom. Das hört sich auf den ersten Blick eigenartig an, denn unsere Kinder in Deutschland sind ja in eine wohlbehütete Zeit hineingeboren. Doch leider hat auch das viele Gute seine schlechten Seiten. Einmal ist es die virtuelle Welt, welche sich schon bei ganz kleinen Kindern gegen die reelle Welt stellt. Vieles ist verloren gegangen durch die virtuellen Welten in welchen unsere Kinder aufwachsen, Wasser im PC ist nicht nass und Blumen duften nicht. Hier entsteht eine Informationslücke die zur völligen Entfremdung der Natur führen kann. Kindheit  heute bedeutet vor dem  PC zu sitzen und empathielos zu reagieren wenn es in der virtuellen Welt gefordert wird, ganz gleich ob wir den Gegner  erschießen oder Mobbing im Netz betreiben. Die Konsequenzen dieses Handeln sind unbedeutend. Man trifft sich nicht mit Freunden um draußen zu spielen, alle Aktionen am eigenen Körper zu spüren, mal blaue Flecken, Schrammen, nasse Klamotten und zerrissene Hosen zu bekommen. Alles das, was wir als wir jung waren erleben durften, Konflikte haben, lösen, sich versöhnen und in neue Abenteuer abtauchen. Einfach mal Froschlaich, oder Regenwürmer mit nachhause nehmen und kennenlernen und ohne Ekel anfassen. Ruheorte wie ein eigenes Baumhaus, wo Kind sein eine eigene Welt bedeutet und keine Erwachsenen Zutritt haben. Träumen und treiben lassen, Hunger und Durst mal kurzfristig durchstehen und dann mit gesunden Appetit das zu essen was auf dem Tisch kam. Lebendig sein und voller Neugier und Strategien für sich Lösungswege im Spiel draußen zu entwickeln.  Kinder sind heute nicht mehr frei, dabei bedeutet Freiheit für uns Menschen eins der höchsten Güter. Lassen wir die Kinder frei werden von Likes bei Facebook  und angeblichen Krankheiten. Schaut man sich nur den  Verbrauch von ADHS-Medikamenten von 34 Kilogramm (1993) auf 1760 Kilogramm (2011) bei Kindern an, dann versteht man auch die Thesen des Natur-Defizit-Syndrom.

Auch wenn es heute nicht mehr genug Naturräume gibt zum toben, so ist mein Apell: lasst die Kinder in den Garten, lasst sie toben und Ihre Welt pflanzen um auch eine der wichtigsten Eigenschaften des Menschen zu lernen die Empathie.

Lassen wir wieder den Garten zu Ort des wachsen werden.

Freiräume im Garten bedeuten für Kinder ein Stück glückliche Kindheit .

Ich habe in einem Artikel der Stuttgarter Zeitung ein wunderbares Statment für die Natur gefunden Die Natur erleben heilt körperliche und seelische Wunden. Natur ist ein emotionaler Gegenpol, ein lebendiger Erlebnisraum, ein kreatürlicher Erfahrungshorizont. In der Natur werden aus Nerds wieder Kids, aus ADHS-Patienten wieder fröhliche Querdenker, aus Stubenhockern wieder abenteuerlustige Entdecker. Kinder haben ein Recht auf Natur, freies Spielen und eigene Erfahrungen. Deshalb – zum Wohle der Kinder und für die Nerven der Eltern

Impressionen