„Es ist nicht mein Müll, aber meine Welt“

Müllyoga

Sicher kommt Euch das bekannt vor, ob Ihr mit dem Rad unterwegs seid im Wald oder mit dem Auto von A nach B: rechts und links neben Weg oder Straße liegt alle voll mit Müll.
Platz 1 in der Hitliste sind Plastikverpackungen und Folien aller Art: vom Bonbon-Papier ( wer kauft eigentlich noch einzeln verpackte Bonbons?) über Kaugummidosen (scheinen sehr beliebt zu sein), Käseverpackungen, Plastiktüten mit den Logos des gesamten Lebensmitteleinzelhandels und immer voll dabei: Styroporreste!
Bei Platz 2 meiner persönlichen - aber vielleicht nicht repräsentativen - Rangfolge spielen die großen bekannten Fast-Food-Tempel eine unrühmliche Rolle. Denn je näher man ihnen kommt, desto stärker sind die Wegeränder und Straßengräben mit den Verpackungsresten der jeweiligen Company gesäumt. Herausragend im wahrsten Sinne des Wortes sind die oft überdimensionierten Trinkbecher, natürlich ordnungsgemäß verschlossen und selbstverständlich mit Trinkhalm. Auch wenn manche dieser Ketten den Kunststoffanteil der Verpackungen reduziert haben und durch Kartonagen ersetzt haben, gehören sie trotzdem nicht in die freie Landschaft.
Mitunter ertappt man sich bei der Frage nach Erziehung oder Kinderstube der „wahllos-aus-dem-Fenster-Werfer“ . Ihr werdet sicher zustimmen, dass die meisten Menschen davon ausgehen, dass man so etwas einfach nicht tut. Denn eigentlich lernen Menschen, dass man so etwas nicht tut, beginnend vom Elternhaus über den Kindergarten bis zur Schule. Ich glaube, hier brauchen wir wieder mehr Leuchttürme und Vorbilder, also nicht die Wegschmeisser, sondern Aufheber! Aber dazu später.
Auf Platz 3 stehen leere Zigarettenschachteln. Als langjähriger Müllsammler macht einen das wirklich fassungslos. Es ist wirklich unbeschreiblich, mal ganz abgesehen von den Zigarettenstummeln und Kippen überall. Ich frage mich manchmal, ob da ein Pfand beim Kauf helfen würde, die Müll Flut einzudämmen.
Platz 4 hat mich echt gewundert: eine breite Palette leerer Getränkebehälter rechts und links der Straßen, in Glas oder PE. Das erstaunliche daran: überwiegend die Restverpackungen alkoholischer Getränke! Sehr beliebt und derzeit hoch im Kurs scheinen die Viertelliter-Flaschen an Wein und vor allem Sekt, aber auch kleine und große Schnapsflaschen, alle Arten von Bierflaschen und natürlich Dosen, auch von der beliebten Marke, die bei reichlichem Genuss zum Fliegen anregen soll. Und unter dem Strich ein hoher Prozentsatz an Pfandgebinden. Vielleicht sollte man doch das Pfand erhöhen?
Wenn man sich die beschriebene Situation mal betrachtet, dann kann man sich natürlich jeden Tag aufs Neue aufregen und echauffieren. Und laut deklamieren: „ das sieht ja furchtbar aus“, und „da müsste man mal sauber machen“, oder noch besser „ die (Politik, Bürgermeister, Stadt oder wer auch) immer müssten das mal machen“ und so weiter. Na ja, ob das so effizient ist?
Es geht auch anders, effizienter. Und das Ganze lässt sich dann mit einer sportlichen Übung kombinieren mit der rundum-Zufriedenheitsgarantie für Körper, Geist und Seele!
Müll-Sammel-Yoga

Wir sind regelmäßig unterwegs mit unseren beiden Hunden durch Feld und Wald und Flur, entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Seit vielen Jahren haben wir immer diverse Beutel und Handschuhe zum aufsammeln des Mülls dabei. Beim Fahhrad haben wir den Stauraum aufgerüstet mit Korb und Satteltaschen. Und es gibt keinen Tag, an dem wir mit leeren Händen/Beuteln/Satteltaschen nach Hause kommen, denn wirklich überall finden die gesamte Hitliste - und noch viel mehr.
Und deshalb kommt hier unser Vorschlag, wie man die Wanderung oder Radtour sportlich noch aufpimpen kann.
Vorschlag Nr. 1: Müll-Sammel-Yoga beim Wandern/Spazieren gehen
Und das geht so: man läuft gemütlich durch die Natur und lässt seinen Blick gemächlich nach rechts und links schweifen, ganz langsam und nicht zu hastig. Das entspannt und lockert schon mal die Schulter- und Halsmuskulatur. In dieser lockeren Grundhaltung entdeckt man auch sogleich die ersten Sammelwürdigen Exponate, die in der freien Natur einfach nichts zu suchen haben. Das bedeutet: Handschuhe an und bücken, und dann immer abwechselnd mit der linken und rechten Hand aufsammeln. Und beim nächsten Mal ein bisschen tiefer federn…
Das nächst höhere Level kann man im Straßengraben/an dedr Böschung erklimmen, denn ein großer Ausfallschritt schult nicht nur Feinmotorik und Gleichgewichtsgefühle sondern auch Beinmuskulatur und Hüftbeuger. Wenn Ihr nicht wisst, wer oder was der Hüftbeuger ist, das ist nicht schlimm, spätestens am nächsten Tag spürt man das, garantiert!
Das Grundprogramm lautet also: schauen – hingehen –bücken –greifen –in Beutel ablegen –weitergehen.
Und mit jedem Sammlerstück wird der Beutel schwerer, und da man sinnvollerweise eh mit 2 Beutel unterwegs sein sollte (einen für Plastik, einen für Glasflaschen) kann man direkt die Armmuskeln mit in das Programm integrieren.
2. Müll-Smmel-Yoga mit dem Fahrrad
Die Grundübungen sind identisch zu 1. Dazu kommt aber das permanente Auf- und absteigen (früher nannte man das wohl „Querfeldeinrennen“ oder so) sowie die wechselfüßige Bedienung des Fahrradständers.
3. Müll-sammel-Yoga im Urlaub/am Strand
Müllsammeln am Strand erfordert ein hohes Maß an Erfahrung und Schußfestigkeit. Nicht selten wird man mit strafenden Blicken verfolgt die andeuten, man würde doch die Urlaubsidylle zerstören – in einem Mee(h)r an Plastik. und es bedarf einer guten Organisation. Da wir immer zu zweit arbeiten, sucht sich der eine den höchsten Punkt mit gutem Rundumblick und dirigiert den anderen mit kurzen, klaren Anweisungen.
Fazit
Anstatt sich über Dinge aufzuregen, die einem nicht gefallen, ist es oft viel befriedigender, die zu ändern, die man selbst ändern kann. Die Botschaft lautet: „Es ist zwar nicht mein Müll, aber unsere Welt“. Und wenn sich noch ein paar weiter Menschen auf dieser Welt finden, die genau so denken und handeln, dann könnte das doch was werden…

„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht dieser Welt verändern“
Afrikanisches Sprichwort

Impressionen