„Paradiesgärtner pflanzen Heiterkeitsbäume, Freudensträucher, Lachobst und Tanzgemüse.“ (Alfred Selacher)

Liebe Aktive und Interessierte am Schulgarten in Rheinland-Pfalz,
welch ein Sommer! Auch wenn die Prognosen uns schon seit Langem Hitze- und Dürreperioden, vermehrte Starkregenereignisse etc. vorausgesagt haben – die Dramatik der Realität trifft einen dann doch mit einer Wucht, die uns mal wieder zeigt, dass „Begreifen“ etwas ist, das der Verstand allein nicht zuwege bringt: Wir müssen Dinge real erleben, um sie wirklich zu verstehen. Auch die Gärten haben den Sommer über die Luft angehalten: Selbst wenn genügend Bodenfeuchte vorhanden war, sind viele Pflanzen nur zögerlich gewachsen. Manche sind trotz guter Wasserversorgung regelrecht „verbrannt“. Gerade an diesem Sommer lässt sich gut erkennen, dass der Garten nicht nur bezüglich Ernährung und Biodiversität, sondern auch bezüglich der Fragen des Klimawandels, der Klimaanpassung und des Klimaschutzes eine Modell-Welt ist, in der wir mit den Schülerinnen und Schülern begreifen, experimentieren und handeln können! Wer dazu mehr erfahren und gemeinsam mit anderen Schulgärtner/innen Ideen zur Klimabildung im Schulgarten entwickeln möchte, kann z. B. den Workshop „Kimagärtnern in der Schule“ bei unserem Landesschulgartentag besuchen. Aber auch viele andere sehr spannende Workshops, Vorträge, Diskussionen und Informationsstände sowie eine Exkursion erwarten Sie am 15./16.10.19 in
Erste Schritte in der Garten-AG
Haben Sie zum ersten Mal eine Garten-AG und wissen nicht so recht, wie Sie starten sollen? Natürlich haben Sie sich schon Gedanken gemacht und einige Ideen im Kopf, was Sie mit den Schülerinnen und Schülern machen könnten. Aber ob das für die Kids auch spannend ist? Und sind die Ideen überhaupt realisierbar? Hier ein paar Tipps für Einsteiger/innen:
Fragen Sie die Schülerinnen und Schüler: Was erwarten sie? Was verstehen sie unter „Garten“? Geht es ihnen um den Anbau essbarer Pflanzen oder um das Gestalten einer schönen, erholsamen Umgebung? Möchten die SuS aktiv werden für Insekten- oder Klimaschutz? Oder wollen sie entdecken, forschen und experimentieren? Wenn Sie die Motivationslage der SuS kennen, können Sie mit ihnen ein individuelles Programm erarbeiten.
Erkunden Sie mit den SuS den Schulgarten und das Schulgelände: Wo könnte man bezüglich der selbst gesteckten Ziele aktiv werden? Schauen Sie auch „über den Gartenzaun“: Machen Sie in einer der ersten AG-Stunden eine kleine Exkursion in das Schulumfeld. Welche Gärten gefallen den SuS, welche nicht … und wieso? Wo wird so gegärtnert, wie wir uns das vorstellen? Gerade Schulen, auf deren Gelände es wenig unversiegelte Flächen zum Gestalten gibt, finden in der Umgebung vielleicht ein Plätzchen zum Gärtnern.
Fangen Sie klein an! Nehmen Sie sich nicht zu viel vor! Bedenken Sie, dass z. B. bei der Neuanlage von Beeten die anschließende Pflege geklärt werden muss. Ist die „Folge-AG“ in der Lage, die Pflege zu leisten? Keine AG will immer nur Unkraut jäten!
Denken Sie bei Neuanlagen auch an die Rückbaubarkeit. Nichts ist für die Ewigkeit. Kunst im Garten, Hochbeete, Nisthilfen (z. B. sog. „Insekten-Hotels“), Teichanlagen etc. sollten leicht wieder abzubauen und zu entsorgen sein. Reicht z. B. statt Teich nicht auch eine eingegrabene „Speis-Bütt“? Auch hier stellen sich schnell Wassertiere ein, und eine kleine Seerose oder Schwertlilie wächst auch in diesem Mini-Teich.
Wählen Sie also bei verschiedenen Projekt-Varianten lieber diejenige mit minimalem Materialeinsatz. Das schont den Geldbeutel, minimiert Transportprobleme und erleichtert einen etwaigen späteren Rückbau. Großprojekte in Schulgärten lohnen sich nur, wenn der Schulgarten fest im Schulprogramm verankert ist, z. B. in Form eines Wahlpflichtfaches oder in Form von Arbeitsplänen (z. B. für den Sachunterricht, NaWi oder Biologie), in die der Schulgarten verbindlich eingebunden ist – möglichst in Kombination mit einer festen Schulgarten-AG, die dafür sorgt, dass der Schulgarten auch als Lernort für den Regelunterricht nutzbar ist und bleibt.
Die AG Schulgarten RLP ist mittlerweile in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus gut vernetzt und kooperiert mit den verschiedensten Institutionen, unter anderem auch mit der MINT-Initiative RLP. Wir finden, dass der Schulgarten ein prima Live-Labor für die MINT-Fächer ist – insbesondere natürlich für die Naturwissenschaften. Aber auch zahlreiche Anlässe und Anknüpfungspunkte für technische Bildung (von der Installation einer solaren Stromversorgung für Teich-Wasserpumpen bis hin zur Konstruktion einer stabilen Trockenmauer), Mathematik (z. B. Vermessung von Flächen und Körpern) und Informatik (z. B. QR-Codes auf Pflanzenschildern mit Informationen über die Pflanzen im Beet) ergeben sich im Schulgarten. Daher geben wir an dieser Stelle auch gerne folgende Terminhinweise der MINT-Geschäftsstelle RLP weiter:

Netzwerkgespräch MINT-Regionen, 11.09. 19 Koblenz. Mehr hier: https://mint.rlp.de/de/termine/netzwerkgespraech-mint-regionen/
Fachtagung und Siegerehrung MINT-Regionen, 15.11. 19 Mainz. Mehr hier: https://mint.rlp.de/de/termine/siegerehrung-fachtagung/
Unterrichtsmaterial für den Schulgarten in der Grundschule
Die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) hat ein „Unterrichts-Paket“ für den Schulgarten in der Grundschule geschnürt. Es gibt einen didaktisch-methodischen Kommentar, Hintergrundinforationen für die Lehrkraft (inkl. Vorschlag für ein „Schulgarten-Curriculum“ für die Grundschule) sowie verschiedene Lehrmaterialien. Alles kostenlos zum Download unter: https://www.dguv-lug.de/primarstufe/natur-umwelt-technik/der-schulgarten/

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und auf „Nachwuchs“ in den Schulgarten-Netzwerken und wünschen Ihnen einen guten Start ins neue Schul(garten)jahr!

Mit gartenfreundlichen Grüßen,
Birgitta Goldschmidt

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Dr. Birgitta Goldschmidt

Referentin für Schulgarten und BNE

Keltenstr. 75

56072 Koblenz

Tel: 0261 9522213

Fax: 0261 9522209

Mobil: 0151 40765781

http://schulgarten.bildung-rp.de

„Paradiesgärtner pflanzen Heiterkeitsbäume, Freudensträucher, Lachobst und Tanzgemüse.“ (Alfred Selacher)

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