Freiheit und Erdung

Freiheit und Erdung

Diese beiden Begriffe begleiten mich ein Leben lang. Sicher hat es einen Anteil an meiner Herkunft, dem Ostfriesischen Gen. Denn Ostfriesland unterstand viele Jahrhunderte keiner Zentralen Herrschaft Bereits im 12. und 13. Jahrhundert hatten sich die „freien Friesen“, in genossenschaftsähnlichen Landesgemeinden organisiert, in denen prinzipiell jedes Mitglied, ob Bauer oder Händler oder Kirchenmann gleichberechtigt war. Zudem lernte ich in meiner Ausbildung als Glückslehrerin, in Heidelberg im Fritz-Schubert-Institut, recht schnell zu begreifen in welchen Zusammenhang diese Begriffe Freiheit und Erdung in meiner Arbeit stehen. Das wesentliche am Glück eines Menschen ist ein selbst bestimmtes Leben im Umfeld eines funktionierenden sozialen Netzes. Ganz nach dem Motto verstehe nicht was das Leben aus Dir macht sondern was Du aus Deinem Leben machst.
In meiner Arbeit als Gärtnerin wurde mir schnell klar dass wir in alten Strukturen denken, Lebensräume instrumentalisiert wurden und nicht mehr den Bedürfnissen der Menschen gerecht sind. Denn wenn man sich das Menschlichenumfeld anschaut so lebt es von Regularien und nicht vom Verstehen und aktiv Gestalten. Dieser Gedanke lässt sich auf alle Lebensbereiche übersetzen. Wir sind nicht mehr geerdet sondern verkopft. Wie schade.
Deshalb änderte ich meine Art des gärtnern. Die pure Lust am gärtnern ist mein Motto. Meinem Empfinden nach ist ein Garten der Ort, an dem jeder hautnah erfahre, dass es Dinge gibt, die ich ändern kann. Aber auch, dass ich andere Dinge hinnehmen muss, die ich eben nicht beeinflussen kann. Im Garten bin ich eingebunden in den natürlichen Jahreszeitenrhythmus mit den Phasen des Säens, des Pflegens, des Erntens und des Ruhens. So lässt sich auch Geduld gut lernen: Eine Pflanze wird gesät, sie keimt, blüht, fruchtet – als dies lässt sich nicht beschleunigen, sondern nur betrachten. Das Bewusstsein für Zeit relativiert sich und dies ist Entschleunigung pur in einer immer hektischer werdenden Welt.
Ein Garten hat zusammen mit uns Lust sich zu entwickeln, aber nicht nur durch unseren Einfluss, nein es heißt das eine oder andere mal ein Auge zuzudrücken und den schönen kleinen, die wie von selbst sich in die Gestaltung einfügen Toleranz zu schenken. So entstehen wunderschöne Gartenbilder, wenn sich die Lichtnelke dezent hinter der Rose aufrichtet, oder die wilde Möhre Struktur in das Blumenbeet bringt. Das erinnert mich immer an meinem meiner Blumekästen in den sich eine Brennnessel reingeschlichen hatte. Jeder wurde auf diesen Kasten aufmerksam da die Brennnessel sich im Kasten wunderhübsch machte, als zartblättrige Begleitpflanze. Was zuviel wird an Beikräutern darf wieder gehen und neues findet seinen Platz. Ach ja apropos gehen. Der Weg zum Haus ist schon ein Weg zum besseren Heimkommen. In meinen Gartenplanungen lege ich immer auf die Vorgärten, denn ist der Vorgarten nicht der Ausdruck der Persönlichkeit seiner Hausbewohner.
Lebendig und wohlduftend gestaltet heißt er jeden Tag Bewohner und Besucher auf herzlichste willkommen.. Ein Vorgarten sollte deshalb immer das Spiegelbild der Persönlichkeit des Hausbewohners sein und genauso lebendig Für mich heißt das ein Konsequentes abwenden vom Trend der uniformierten Splittgärten ohne Ausdruck-lassen wir doch unsere Vorgärten wieder aufblühen und uns in schönster Form repräsentieren, auch um unsere Städte und Dörfer wieder menschlicher zu gestalten. Ja unsere Städte-leider eher Wüsten-besonders leiden sie an unnötigen Sparprogrammen im öffentlichen Grün. Es kann aber auch ganz anders sein. Wie in meinem Stadtprojekt die „essbare Stadt“ Andernach Die Stadt als Raum für alles Leben. Klingt ein wenig Paradiesisch, nun das ist es auch. Konsequent lehne ich Bedenken gegen lebendiges Grün ab, Fragen-was ist was ist wenn- bringen uns nicht mehr weiter oder gar ein schönes Leben. Eine Pfarrerin-Annette Bassler drückte es einmal in Ihren Gedanken aus, was für sie ein Stadt bedeutet indem das Lebensmotto lautet gestalten, betreten und pflücken erlaubt, gelebt wird. „Eine Stadt mit einer Philosophie. Toll. Und die Philosophie lautet: Wenn die Pflanzen aufblühen, dann blüht auch der Mensch auf. Wenn wir uns in den Kreislauf der Natur einfügen und von ihm lernen, dann werden wir von der Natur reich beschenkt. Dann wird die Natur ein Ort, an dem man Gott begegnen kann. Weil Gott überall dort ist, wo Menschen was geschenkt kriegen. Einfach so. Aus lauter Lust und Freude.
Ich finde es einen wunderschönen Gedanken Unser Gefühl für Schönheit hat etwas mit erlebten wunderbaren Ereignissen zu tun. Ich habe jeden Tag auf dem Heimweg von der Schule einen Blumenstrauß gepflückt, mal winzig mal riesig. Warum sollte das nicht jedes Kind und jeder Erwachsene in seiner Stadt machen können. Statt Brachen können wir alle Blumeninseln sähen, dann mit Buddleia geschmückt können wir auch noch Schmetterlinge unser Herz erfreuen lassen. Ich finde hier ist Toleranz gefragt, eine Stadt die mit neuen Staudenmischungen spielt, altbewährten Wechselflor punktuell aufwertete. Wer Gemüse und Obstbaume als Bereicherung im Stadtbild empfindet und Blumenwiesen statt Brache zelebriert, schafft einen Lebensmittelpunkt und Treffpunkt für alle Menschen. Mit der Idee der Bürgergärten entwickelten wir neue soziale Formen des Zusammenlebens in der Stadt und ihrem Umfeld. Statt der bekannten Schilder „Betreten verboten“ lädt dann plötzlich ein „Pflücken erlaubt“ ein. Noch scheint vielen die Vorstellung, da erntet jemand, der nicht gesät oder geharkt hat, befremdlich, aber unsere Erfahrung zeigte, es funktioniert. Es gibt dann keinen Vandalismus, weil die Verantwortlichkeit im kleinen, überschaubaren Rahmen für alle erfahrbarer ist als in großen, anonymen Strukturen. Nun ist die Stadt als „Lebens-“mittelpunkt wieder erlebbar.
Vielleicht doch ein wenig wie ein Paradies. Obwohl :Den Paradiesgarten in der Schöpfung, diesen finde ich als Gärtnerin eine ewige Offenbarung des Schönen, aber ich hab, ganz aus den Tiefen meines Seins heraus, ein Problem mit der Vertreibung aus dem Paradies. Das Paradies ist uns, glaub ich, nie genommen worden, sondern wir sehen es nur nicht mehr. Oder ist es gar so das wir die Vertreibung doch hätten vermeiden können, denn als Eva sich verführen ließ, den Apfel vom Baum der Versuchung zu ernten, wäre es wohl besser gewesen, sie hätte stattdessen ihren eigenen Apfelbaum veredelt und gepflanzt. Dann wären Adam und sie höchstwahrscheinlich im Paradies geblieben und wir Menschen hätten es heute vielleicht noch etwas paradiesischer hier auf Erden.
Deshalb ist eins meiner wichtigsten Anliegen, die Bildung in Sachen Grün, denn wenn alles wissen wie es geht, kommt es zu keiner Frustration und die Lust auf Buntes, Geschmackliches und Lebendiges wächst. Deshalb biete ich regelmäßig Seminare und Workshops an. immer Fortbildungen und Seminare an.
Aber noch schöner ist es die Welt zusammen bunter zugestalten, Aktionen wie mein Permakulturprojekt in Kenia mit von Armut Prostitution betroffenen Frauen, lässt nicht nur die Natur wachsen, nein es wachsen auch Netzwerke der Sympathie.. Die Natur hört zu aber wertet nicht.

Impressionen