Landschaften der Erinnerung pflanzen

Der November schleicht sich leise an dem goldenen Oktober vorbei, gekleidet im grauen Nebelmantel, sagt er den langsamen Abschied vom Jahr an. Trägt er deshalb den Trauerflor an schwarzgrauen Morgenstunden? Der Abschied fällt schwer vom vergangenen Jahr mit blühenden Gärten und frischen Genüssen, der November kündigt eine Zeit des Zurückziehens und des Zurückkehren an. Es ist der große Monat der Friedhöfe und der schön gestalteten Gräber. Warm eingekuschelt in Jacke und Schal, mit kleiner Schaufel und Hacke in Beutel, nehmen ich mir die Zeit den Garten zu gestalten an dem ich innere Einkehr finden und oft auch ein berührendes gefühltes Gespräch mit dem Verstorbenen führen kann. Nach der erdigen Arbeit, die Ruhestätte von den Sommererinnernden Blumen zu befreien, die Erde atmen zu lassen und mit neuer Nahrung zu versorgen, die Trennung von Vergangenen vollzogen ist, sind wir frei neu zu gestalten. Nicht nur Arbeit sondern auch liebevolle Gedanken werden in die Erde gepflanzt. Pflanzen die Immergrüne Pflanzen sind helfen uns einen Ort der guten Gedanken zu schaffen. So überwinden sie durch ihr leuchtendes Grün nicht nur das trauervolle Grau sondern sie stehen ein für Dauer, Unsterblichkeit und das ewige Leben. Und natürlich auch für Treue auch über den Tod hinaus. Als Immergrünes gefällt mir die Hebe sehr gut, die kleinen Sorten sind alle winterhart und der Gartenfachhandel bietet eine riesige Auswahl an. Hebe sind zurückhaltende Pflanzen, die mit sehr wenig Dünger langsam alle Lücken in der Gestaltung schließen. Hiermit lassen sich nicht nur die Gräber gestalten sondern auch Schalen. Wunderbare Erinnerungen, die uns ein Lächeln auf die Lippen zaubern, kommen auf wenn wir die Ruhestädte sehr persönlich gestalten. Ob in Schalen oder in die Erden lassen sich Landschaften der Erinnerung pflanzen. Liebten wir das gemeinsame wandern, können wir zur Hebe Winterheide und Besenheide setzen. Sie leuchten in wärmenden rot und rosa. In kalten Regionen sollte man lieber die Knospenheide wählen, für sie sind -10° C nur noch ein paar Knospen mehr wert. Für den Gebirgswanderer dürfen wir den blauen Enzian pflanzen, in feuchten kalkhaltigen Boden, mit ein paar schönen, vielleicht gemeinsam gefundenen Steinen, ist schnell eine erinnerungsreiche Landschaft entstanden. Die Verbundenheit durch Farbe und Duft wie ein blühendes Band pflanzen wir dem Menschen, dessen Leben wir im Garten teilten. Der vorbereitete Boden freut sich auf das im Frühling blühende Tränende Herz, denn was verbildlicht mehr die Liebe als deren rosafarbene, herzförmige Blüten, welche am besten im Schatten gedeiht. Ihre verborgene Schönheit zu überbrücken übernimmt die Christrose, am liebsten im halbschattigen Gehölzrand. Mit ihren, an Porzellan erinnernde, Blüten in den Farben weiß bis dunkel rostrot Blüten, gibt sie uns schon im Dezember den Hauch von wiedererwachen. Besonders gerne schau ich mir die Blüten im Kontrast zu ihren dunkelgrünen, handförmigen Blättern im Schnee an.

Impressionen