Warum wir essbare Grünräume brauchen

--Grün ist in aller Munde. Ist dies eine kurzfristige Mode oder sehen Sie hier einen langfristigen Trend?

Ich sehe hier einen langfristigen Trend, denn was ist das Wesentliche in einer Zeit der absoluten, doch in Frage gestellten, Hochzivilisation und vielfältigen Stressfaktoren- die Natur-. In einer Zeit in dem viele Menschen am Ende des Tages nicht das Ergebnis ihrer Arbeit sehen, ist der Wunsch nach gestaltbarer Natur groß. Gärtnern hilft zu erkennen, dass ich als Mensch die Möglichkeit habe Dinge zu ändern, die ich ändern kann und andere Dinge hinnehmen muss, die eben nicht beeinflussbar sind. Ich kann gestalten und durch Hingabe wunderbare sichtbare Ergebnis erzielen. Egal ob es eine schöne Blüte oder eine leckere Frucht ist. Das führt zu einer tiefen Zufriedenheit

--Sie werben für die Idee „essbarer Parkanlagen“. Warum?

Weil hier Neues entsteht, nach dem wir eine tiefe Sehnsucht haben. Statt der bekannten Schilder „Betreten verboten“ gilt auf einmal „Pflücken erlaubt“. Wo zusammen gesät und geerntet wird, gibt es keinen Vandalismus, weil die Verantwortlichkeit im kleinen, überschaubaren Rahmen für alle erfahrbarer ist als in großen, anonymen Strukturen.
Neben der wesentlich attraktiveren Gestaltung der Grünflächen der Stadt, unterstützen essbare Parkanlagen auch gleichzeitig, im Sinne einer Multifunktionalität, ökologische, ökonomische und auch ästhetische Entwicklungen Dann werden Städte als „Lebens-“mittelpunkt wieder hoch attraktiv.

--Welche Vision haben Sie für die Freiräume der Zukunft?

Ich kann mir vorstellen das bisher wenig genutzte Öffentlicheflächen durch eine konsequente Planung, in ein naturnahes Gelände umgestaltet werden können , welche gleichzeitig zur Nahrungsmittelproduktion als auch die Möglichkeit zur Umweltbildung und Naherholung dienen. Kulturgeschichtliche relevante Pflanzen und Synergieeffekte zwischen Ökologie, Naturschutz, Wassernutzung und Ökonomie können genutzt werden, um den Menschen und der Natur in der Stadt wieder ein lebendiges Zuhause zu schenken. Betreten erwünscht und pflücken erlaubt.
Ich nenne das ein ökohumanes Modell

Impressionen